Schaufenster Kunstunterricht

01. Lockdown (Kinderpflege Unterstufe 1, 2020/2021)

In Zeiten des Lockdowns, der uns allen im Schulwesen ungewöhnliche Arbeitsweisen abverlangt, hat der Kunstkurs der KIU1 eine ungewöhnliche Aufgabe erhalten und mit tollen Ergebnissen umgesetzt. Einige der Ergebnisse finden Sie hier zusammen mit der Aufgabenstellung:

Bitte schicken Sie ein Handy-Foto/eine Reihe von maximal 5 Handy-Fotos, aufgenommen durch die Öffnung einer Klopapierrolle. Klopapier hat sich als der Deutschen wertvollstes Accessoire gezeigt im ersten Lockdown, warum auch immer. Vielleicht, weil sich dadurch der Blick schärfen lässt? Bitte benutzen Sie die leere Rolle (vielleicht funktioniert das Fotografieren besser, wenn Sie die Rolle quer halbieren, so dass der Tunnel nur halb so lang ist) wie ein Fernrohr und lichten Sie ein Motiv Ihrer Wahl ab. Dieses ist zwar frei wählbar, soll aber zum Ausdruck bringen, was Sie für eine Aussicht haben in diesem Lockdown. Das kann nah liegen oder in der Ferne. Versuchen Sie, Ihre Version des Lockdown-Tunnelblicks rüberzubringen.

02. One-Minute-Sculptures (Berufliches Gymnasium für Gesundheit, Klasse 11 und 12, 2020/2021)

Der österreichische Künstler Erwin Wurm wurde durch seine „One Minute Sculptures“ bekannt, bei dem er Menschen – ursprünglich Besucher seiner Ausstellung – mit Alltagsgegenständen auf skurile Art posieren lässt, um sie dann zu fotografieren. Andere Künstler wie zum Beispiel die Red Hot Chili Peppers, wurden durch die Werke inspiriert (Musikvideo Can’t Stop“).

Der Körper dient als neutraler Träger für die Objekte, wird seiner normalen Funktion entrissen und auf diese Weise selbst zur Skulptur. Oftmals findet sich hinter dem auf den ersten Blick lustigen Anblick eine tiefere Bedeutung.

"Es geht um die Schwierigkeit, das Leben zu meistern. Egal, ob mit einer Diät oder mit einer Philosophie“, fasst Wurm die Intention seiner Werke zusammen. In seinen Arbeiten greift er Themen des Alltags auf: Schlankheitswahn und Fettsucht, Mode, Werbung und Konsumkult, zu dessen zentralen Fetischen das Eigenheim und das Auto zählen. „Ich bin ein sehr politisch denkender Mensch, aber kein politischer Künstler. Ich setze den Humor auch als Waffe ein, indem ich den Alltag aus einer anderen Perspektive zeige“, sagt Wurm. Dabei ist die Welt sein Material. „Es interessiert mich, die Dinge auf den Kopf zu stellen und so auf neue Realitäten zu stoßen.“

In der BGG 11 und BGG 12 setzten sich die Schülerinnen und Schüler so mit ganz unterschiedlichen Themen auseinander, vor allem jedoch mit der ganz aktuellen Coronathematik in ihren verschiedenen Facetten (Medienkonsum, Homeschooling und die damit verbundene Flut an Hausaufgaben und Materialien, die Coronaerkrankung) , als auch gesellschaftskritische Themen wie zum Beispiel Umweltverschmutzung und Bildungsungerechtigkeit.

03. Drehen eines Stop-Motion-Films (Kinderpflege Oberstufe 1 und 2, Berufliches Gymnasium für Gesundheit, Klasse 11, 2020/2021)

In den Kinderpflegeklassen Ki-O1 und Ki-O2 als auch im Bildungsgang BGG 11 wurden sogenannte Stop-Motion-Filme zu den Themen „Abenteuer“ (Kinderpflegeklassen) bzw. „In Bewegung“ (Berufliches Gymnasium Gesundheit) entwickelt.

Stop-Motion ist eine Filmtechnik, bei der eine Illusion von Bewegung erzeugt wird, indem einzelne Bilder (Frames) von unbewegten Motiven aufgenommen und anschließend aneinandergereiht werden, ähnlich wie bei einem Daumenkino. Sie kommt bei Trickfilmen (z.B. Wallace and Gromit), aber auch als Spezialeffekt bei Realfilmen zum Einsatz. Mithilfe einer Stop-Motion-App auf dem Smartphone oder iPads können auch zuhause solche Filme entwickelt werden.

Bei beiden Bildungsgängen ging es darum, die Technik kennenzulernen und sich kreativ damit auseinanderzusetzen.

Im BG Berufliches Gymnasium Gesundheit wurde der Experimental-Film „der Lauf der Dinge“ von den Schweizer Künstlern Fischli und Weiß als Ausgangsimpuls genutzt. In Ihrer Interpretation und Ausgestaltung des Themas „Bewegung“ waren die Schüler frei.

Im BG Kinderpflege, wo das Thema „Abenteuer“ umgesetzt wurde, stand außerdem der Aspekt der Vermittlung von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen mithilfe von Stop-Motion-Technik im Mittelpunkt. Die Technik bietet bereits Kindergartenkindern die spielerisch-kreative Möglichkeit sich mit digitalen Medien auseinanderzusetzen.

04. Hände hoch! Hands up!

Wozu macht man Handaufsteller? Wozu braucht man sie?

Man braucht sie vielleicht gar nicht. Man kann sie machen, um als eine der ersten Aufgaben im Kunstunterricht der Kinderpflege einige grundlegende Fertigkeiten wie Ausschneiden des Umrisses der eigenen Hand, Zeichnen von Linien, Schraffuren, Kontrasten und Mustern zu üben im sehr überschaubaren Format der eigenen Handfläche. Um erste Erfahrungen mit Kreativität zu ermöglichen, ohne dass die Form ihrer Hand als eher kleiner Rahmen einengend wird. Um auch im Werkunterricht die Gelegenheit zu bieten, angelehnt an die erste Lernsituation im Thema der Ich-Erfahrung zu arbeiten, mit Kopf und Herz und Hand.

Es gab keine weiteren Vorgaben, und so wurden die Ergebnisse sehr individuell und sehr ansprechend. Die Schülerinnen und Schüler haben sehr konzentriert an der Umsetzung gearbeitet.

Nach der Fertigstellung kehrt die Frage wieder: Was macht man mit Handaufstellern und wozu braucht man sie?

Man stellt sie auf! Um sie auszustellen. Hier kommt uns unser schönes Schulgebäude entgegen – es gibt immer eine Stelle im Haus, die sich optisch und atmosphärisch anbietet für besondere Eindrücke, ohne dass man lange suchen muss. In der großen Lernzone, vis à vis der Kirche Johannes XXIII, direkt gegenüber den Klassenräumen der Kinderpflege, sind wir gleich fündig geworden. Die zerbrochene Glasscheibe, die ebenso wenig nützlich erscheint wie "Handaufsteller", bietet in Verbindung mit den nutzlosen Handaufstellern die optimale Kulisse. Plötzlich ergeben sich Verbindungen zwischen den Händen und dem Glas in den Reflektionen, optische Effekte, die wir so nicht hätten planen können, die verschwommene Silhouette der Kirche mit den empor gestreckten Händen, der Schriftzug Katholische Kirche an den Kölner Hochschulen hinter der Vielzahl von Händen mit Absperrband, der Ausblick von den durch die Schüler zu einem Herzen aufgestellten Händen in die gegenüberliegenden Klassenräume und so weiter.

Man braucht wohl keine Handaufsteller, aber sie können (vielleicht unerwartet) kleine Kunstwerke werden.

(Der Hinweis auf die Handaufsteller als mögliches Thema für den Werkunterricht in der KI Unterstufe stammt von Judith Kastner!)

05. „Verdrahtet – mein Drahtgesicht“ (Berufliches Gymnasium für Gesundheit, Klasse 12, 2020/2021)

Die Aufgabe: Gestalten Sie aus Draht ein Portrait. Nutzen Sie als Sockel einen Stein o.ä. Fertigen Sie im Anschluss von der Plastik eine Zeichnung mit Pastellkreide an.

  • Text:Birgit Paffrath, Judith Kastner
  • Titelbild:silvae (Adobe Stock #282585898), Lizensiert für das Erzbischöfliche Berufskolleg Köln, c/o Carsten Arntz
  • Fotos (Bilderreihe):Carsten Arntz, Reinhold Horz