Architektur

Carsten Arntz
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Carsten Arntz
Peter Hinschläger
Constantin Meyer

Räume prägen Begegnungen, schaffen Orientierung und eröffnen Freiräume für das Denken. Das preisgekrönte Schulgebäude des EBK an der Berrenrather Straße versteht Architektur als „dritten Pädagogen“: Ein lichtdurchfluteter Lern- und Lebensraum, der Offenheit und Schutz harmonisch miteinander verbindet.

Die Architektur

Ein Schulgebäude ist mehr als eine Hülle für Unterricht. Räume können beeinflussen, wie Menschen einander begegnen, wie offen Lernen erlebt wird und ob ein Ort das Gefühl vermittelt, willkommen zu sein. Genau darin liegt eine besondere Qualität der Architektur des EBK.

Wer das Gebäude an der Berrenrather Straße betritt, erlebt zunächst Weite und Licht. Das Atrium öffnet den Blick nach oben, Wege kreuzen sich, Menschen kommen an, gehen weiter, bleiben für einen Moment stehen. Es ist ein Raum, der Bewegung zulässt und zugleich Orientierung gibt.

Diese Offenheit prägt auch den Alltag im Haus. Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrkräfte und Mitarbeitende begegnen sich auf Treppen, Galerien und in den gemeinsamen Bereichen immer wieder. Architektur schafft hier nicht nur Verbindungen zwischen Etagen, sondern auch zwischen Menschen. Man sieht einander. Man nimmt wahr, was um einen herum geschieht. Schule wird dadurch als gemeinsamer Lebens- und Lernort erfahrbar.

Gleichzeitig gibt es Räume für Konzentration, Rückzug und Ruhe. Beides gehört für uns zusammen: Gemeinschaft und Individualität, Begegnung und persönlicher Freiraum. Gute Bildung benötigt Orte, an denen Austausch möglich ist, ebenso wie Orte, an denen Gedanken entstehen und sich entwickeln können.

Auch darin lässt sich etwas von unserem Verständnis als katholische Schule erkennen. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte, seine Fähigkeiten und seine Perspektive mit. Architektur kann diese Verschiedenheit nicht herstellen, aber sie kann ihr Raum geben. Sie kann Offenheit ermöglichen, Schutz bieten und dazu beitragen, dass Menschen sich als Teil einer Gemeinschaft erleben, ohne darin ihre Eigenständigkeit zu verlieren.

Vielleicht liegt gerade darin die besondere Wirkung dieses Hauses: Es gibt nicht vor, wie Lernen aussehen muss. Es schafft Möglichkeiten. Für Begegnungen, für neue Gedanken, für gemeinsames Arbeiten und für jene kleinen Momente im Schulalltag, die sich nicht planen lassen und dennoch wichtig werden.

So begleitet die Architektur des EBK das, was Schule jeden Tag ausmacht. Menschen kommen mit unterschiedlichen Wegen und Erfahrungen zusammen, teilen einen gemeinsamen Ort und entwickeln sich weiter. Das Gebäude bildet dafür nicht nur den Rahmen. Es macht sichtbar, dass Bildung Raum braucht – für Offenheit, für Bewegung und für Gemeinschaft.

Die Innenarchitektur

Räume prägen, wie Menschen lernen, arbeiten und einander begegnen. Deshalb verstehen wir die Innenarchitektur des EBK nicht nur als Gestaltung, sondern als Teil unseres schulischen Alltags.

Besonders deutlich wird das in den offenen Lernbereichen, im Selbstlernzentrum, in der Bibliothek und in der Cafeteria. Diese Orte unterscheiden sich bewusst von den übrigen Flächen des Hauses. Warmer Nussbaum, klare Formen und eine ruhige Gestaltung schaffen Bereiche, die Orientierung geben und zugleich zum Verweilen einladen.

Für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende bedeutet das primär, dass Lernen nicht an einen einzigen Ort gebunden ist. Manchmal braucht es Austausch und Bewegung. Manchmal Ruhe, Konzentration und einen Platz für sich. Die unterschiedlichen Bereiche des Hauses ermöglichen beides und lassen Raum für verschiedene Arbeitsweisen und Bedürfnisse.

Gerade darin zeigt sich für uns ein wichtiger Gedanke von Bildung. Menschen lernen nicht alle auf die gleiche Weise. Sie benötigen unterschiedliche Zugänge, unterschiedliche Geschwindigkeiten und manchmal auch unterschiedliche Räume. Eine Umgebung, die darauf reagiert, kann Selbstständigkeit unterstützen und dabei helfen, Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen.

Gleichzeitig entstehen an diesen Orten viele Begegnungen, die sich nicht planen lassen. Ein kurzes Gespräch in einer offenen Lernzone, gemeinsames Arbeiten an einem Tisch oder eine Pause in der Cafeteria gehören ebenso zum Schulleben wie der Unterricht selbst. Solche Momente schaffen Nähe und machen aus einem Gebäude einen gemeinsamen Lebensraum.

Auch unser Verständnis als katholische Schule findet darin eine Entsprechung. Jeder Mensch bringt eigene Voraussetzungen, Erfahrungen und Bedürfnisse mit. Räume können dazu beitragen, diese Verschiedenheit ernst zu nehmen. Sie können Offenheit schaffen, ohne Unruhe zu erzeugen, Rückzug ermöglichen, ohne Menschen voneinander zu trennen, und Gemeinschaft fördern, ohne Individualität einzuengen.

Vielleicht ist das die eigentliche Stärke dieser Innenarchitektur: Sie drängt sich nicht in den Vordergrund. Sie begleitet. Sie gibt Struktur, ohne festzulegen, und eröffnet Möglichkeiten, ohne vorzuschreiben, wie sie genutzt werden müssen.

So entstehen am EBK Orte, an denen Lernen, Begegnung und persönliche Entwicklung selbstverständlich nebeneinander Platz finden. Räume, die nicht nur funktional genutzt werden, sondern dazu beitragen, Schule als einen Ort zu erleben, an dem Menschen sich orientieren, entfalten und miteinander wachsen können.

Kunst am Bau von Volker Saul (2016)

Schule bedeutet Bewegung. Menschen kommen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Erwartungen zusammen, verändern sich, entdecken neue Möglichkeiten und gehen ihren Weg weiter. Genau diesen Gedanken greift das Kunstwerk „IN BEWEGUNG“ des Kölner Künstlers und ehemaligen EBK-Kollegen Volker Saul auf.

In den drei Treppenhäusern des EBK begleiten insgesamt 15 stilisierte Beinformen Schülerinnen, Schüler und Studierende durch das Gebäude. Bis zu 2,60 Meter groß, leuchtend gelb und direkt auf den Sichtbeton montiert, tauchen sie an unterschiedlichen Stellen auf den fünf Etagen auf. Mal wirken sie, als würden sie aus einer Wand hervortreten, mal scheinen sie gerade wieder zu verschwinden.

Die Formen erinnern bewusst an die Bildsprache von Comics. Dadurch entsteht etwas Leichtes und Unmittelbares. Die Kunst begegnet den Menschen nicht auf einem Sockel oder hinter Glas, sondern mitten im Alltag – auf dem Weg zum Unterricht, in der Pause oder beim Wechsel zwischen zwei Räumen.

Dabei passt das Motiv der Bewegung zu einem Berufskolleg in besonderer Weise. Viele junge Menschen befinden sich hier in einer Phase des Übergangs. Zwischen Schule und Beruf, zwischen bisherigen Erfahrungen und neuen Perspektiven, zwischen dem, was bereits sicher ist, und dem, was sich erst entwickeln darf.

Bewegung bedeutet dabei nicht nur, von einem Ort zum anderen zu gelangen. Sie kann Veränderung bedeuten, Fortschritt, manchmal auch einen Umweg. Entwicklung verläuft selten geradlinig. Menschen brauchen Zeit, unterschiedliche Geschwindigkeiten und die Möglichkeit, ihren eigenen Weg zu finden.

Auch darin berührt das Kunstwerk etwas, das uns als katholische Schule wichtig ist. Jeder Mensch besitzt eine unverwechselbare Würde und darf sich entwickeln, ohne auf einen bestimmten Ausgangspunkt oder eine einzelne Leistung reduziert zu werden. Entscheidend ist nicht, dass alle denselben Weg gehen, sondern dass Entwicklung möglich bleibt.

Die geschwungenen Formen der Installation greifen zugleich die Architektur des Gebäudes auf. Sie nehmen die Linien und Bewegungen der offenen Etagen auf und setzen ihnen ihre eigene Bildsprache entgegen. Kunst und Architektur treten so miteinander in Beziehung.

„IN BEWEGUNG“ begleitet damit auf eine stille und zugleich humorvolle Weise den Alltag am EBK. Das Kunstwerk erinnert daran, dass Lernen immer auch Veränderung bedeutet und dass Schule ein Ort sein kann, an dem Menschen den nächsten Schritt auf ihrem eigenen Weg gehen.

Kunst am Bau von Babak Saed (2025)

Manche Kunstwerke verändern einen Raum, ohne ihn zu füllen. Sie geben ihm einen Gedanken, einen neuen Blick und manchmal auch einen Ort, an dem Menschen für einen Moment stehen bleiben. Genau so wirkt das Kreuz des Konzeptkünstlers Babak Saed im Atrium des EBK.

Sein Titel „Lass uns nachher am Kreuz treffen“ beschreibt dabei mehr als einen Treffpunkt. Das Kreuz soll mitten im Schulalltag stehen: dort, wo Menschen ankommen, sich begegnen, weitergehen oder innehalten. Entstanden ist es nicht allein im Atelier des Künstlers. Schülerinnen, Schüler und Studierende unterschiedlicher religiöser Hintergründe, der Arbeitskreis Schulpastoral und Kolleginnen und Kollegen haben ihre Gedanken und Perspektiven in den Entstehungsprozess eingebracht. In Workshops ging es um Fragen nach Glauben, Gemeinschaft und der Bedeutung des Kreuzes heute.

Babak Saed hat aus diesem gemeinsamen Nachdenken eine klare künstlerische Form entwickelt. Vier Worte bilden das Kreuz: „DU BIST BEI MIR“. Sie stammen aus Psalm 23 und verdichten eine Erfahrung, die Menschen unabhängig von ihrer jeweiligen Lebenssituation berühren kann: die Hoffnung, nicht allein zu sein.

Auch die Gestaltung erzählt davon. Drei Worte erscheinen in Grün – einer Farbe, die für Hoffnung und Leben steht. Das Wort „MIR“ hebt sich in Weiß ab und verweist auf die persönliche Beziehung zu Gott. In der Mitte der vier Worte bleibt bewusst ein kleiner Raum frei. Für den Künstler steht diese Leerstelle für den unsichtbaren Raum Gottes zwischen den Menschen. Gerade das Ungesagte und Freigelassene wird damit zu einem wesentlichen Teil des Kunstwerks.

Diese Offenheit passt zu dem, was das Kreuz am EBK sein möchte. Es gibt keine fertige Antwort darauf, wie Menschen glauben oder welche Bedeutung ein religiöses Symbol für sie persönlich besitzt. Es lädt vielmehr dazu ein, eigene Fragen mitzubringen, Gedanken auszutauschen oder einfach einen Augenblick zur Ruhe zu kommen. So kann ein jahrhundertealtes christliches Zeichen auch für junge Menschen einen gegenwärtigen Zugang eröffnen.

Ein QR-Code erweitert das Kunstwerk um eine zweite Ebene. Darüber können Gedanken, Gebete, Fragen sowie Audio- und Videobeiträge aus der Schulgemeinschaft zugänglich werden. Neue Generationen von Schülerinnen, Schülern und Studierenden können diese Inhalte weiterentwickeln. Das Kreuz bleibt dadurch nicht nur dauerhaft im Raum präsent, sondern kann immer wieder neue Stimmen aufnehmen.

Darin zeigt sich auch etwas von unserem Verständnis als katholische Schule. Glaube soll nicht ausschließlich erklärt werden. Er darf Fragen auslösen, Gespräch ermöglichen und Menschen miteinander in Beziehung bringen. Die unverwechselbare Würde jedes Menschen bedeutet dabei auch, unterschiedliche Erfahrungen und religiöse Zugänge ernst zu nehmen. Dass Menschen verschiedener Glaubensrichtungen an der Entstehung des Kreuzes beteiligt waren, gehört deshalb wesentlich zu seiner Geschichte.

Vielleicht liegt gerade darin die Kraft dieses Kunstwerks. Es steht sichtbar im Zentrum des Gebäudes und lässt dennoch Raum. Für persönliche Gedanken. Für Begegnung. Für Zweifel und Hoffnung. Für die Erfahrung, dass Gemeinschaft nicht bedeutet, dass alle dasselbe denken oder glauben müssen.

So ist Babak Saeds Kreuz am EBK Kunst, Glaubenszeichen und Treffpunkt zugleich. Ein Werk, das nicht nur betrachtet werden möchte, sondern den Schulalltag begleitet – mit vier einfachen Worten, die für viele Situationen des Lebens eine Bedeutung gewinnen können: „DU BIST BEI MIR“.

Der pädagogische Raum

Ein pädagogischer Raum ist mehr als ein Raum, in dem Unterricht stattfindet. Er entsteht dort, wo Menschen einander begegnen, miteinander arbeiten, Fragen stellen, Perspektiven wechseln und sich aufeinander beziehen. Genau in diesem Sinne verstehen wir die Räume des EBK.

Unsere Architektur und Innenarchitektur unterstützen eine Form des Lehrens und Lernens, die Bewegung zulässt. Nicht nur im wörtlichen Sinn. Gerade in der Ausbildung sozial- und heilpädagogischer Fachkräfte gehört es dazu, die eigene Sichtweise immer wieder zu überprüfen, andere Lebenswirklichkeiten wahrzunehmen und Beziehungen bewusst zu gestalten.

Dabei gewinnt ein Gedanke Martin Bubers besondere Bedeutung: Das eigene Ich entwickelt sich in der Begegnung mit einem Du. Lernen ist deshalb nie nur ein individueller Vorgang. Es geschieht auch im Gespräch, im gemeinsamen Nachdenken, im Widerspruch und in der Erfahrung, von anderen gesehen und ernst genommen zu werden.

Räume können solche Begegnungen erleichtern. Sie können Nähe ermöglichen und zugleich Abstand zulassen. Sie können Orte für gemeinsames Arbeiten schaffen und Rückzug ermöglichen, wenn Konzentration oder Ruhe gebraucht werden. Entscheidend ist dabei nicht allein ihre Ausstattung, sondern das, was Menschen in ihnen miteinander entstehen lassen.

Der pädagogische Raum wird deshalb jeden Tag neu gefüllt. Mit Gedanken und Fragen. Mit Wahrnehmungen, Erfahrungen und Gesprächen. Mit Momenten, in denen jemand etwas versteht, das zuvor fremd war, oder eine neue Perspektive auf sich selbst und andere gewinnt.

Gleichzeitig hinterlassen Menschen ihre Spuren in diesen Räumen. Durch das, was sie tun, miteinander entwickeln und weitergeben. Ein Raum erhält Bedeutung, weil Menschen ihn nutzen, gestalten und mit ihren Erfahrungen verbinden. So wird aus Architektur ein Ort des Lernens und aus einem Gebäude ein gemeinsamer Lebensraum.

Darin zeigt sich auch etwas von unserem Verständnis als katholische Schule. Jeder Mensch besitzt eine unverwechselbare Würde und begegnet anderen mit einer eigenen Geschichte, eigenen Erfahrungen und eigenen Möglichkeiten. Bildung bedeutet für uns deshalb auch, Beziehungen aufmerksam zu gestalten und dem Gegenüber Raum zu geben.

Vielleicht liegt darin der Kern des pädagogischen Raums am EBK: Er ist nie vollständig vorgegeben. Er entsteht immer wieder neu zwischen Menschen. Dort, wo jemand zuhört, eine andere Perspektive zulässt, Verantwortung übernimmt oder den Mut findet, sich selbst einzubringen.

So wird der Raum am EBK zu einem Ort, an dem sich Innen und Außen miteinander verbinden: Erfahrungen werden aufgenommen, verarbeitet und weiterentwickelt. Und das, was dabei entsteht, wirkt zurück in die Gemeinschaft – durch neue Gedanken, neue Beziehungen und neue Möglichkeiten des gemeinsamen Lernens.

Offene Lernzonen

Offene Lernzonen verändern, wie Lernen erlebt werden kann. Sie schaffen Räume, in denen Schülerinnen, Schüler und Studierende selbst entscheiden können, ob sie allein arbeiten, sich austauschen, gemeinsam an einer Aufgabe weiterdenken oder sich für einen Moment zurückziehen möchten.

Genau diese Freiheit gehört für uns zum Lernen am EBK. Nicht jeder Mensch arbeitet auf die gleiche Weise, nicht jede Aufgabe verlangt dieselbe Umgebung und nicht jeder Moment im Schultag benötigt dieselbe Form von Konzentration. Die offenen Lernzonen geben Raum für diese Unterschiede.

Das flexible Mobiliar unterstützt dabei, die eigene Lernumgebung immer wieder neu zu gestalten. Tische werden zusammengeschoben, Plätze gewechselt, Gruppen entstehen und lösen sich wieder auf. Bewegung wird so Teil des Lernens. Sie hilft, neue Perspektiven einzunehmen, sich zu aktivieren und Verantwortung für den eigenen Arbeitsprozess zu übernehmen.

Dabei geht es nicht um Offenheit um ihrer selbst willen. Offene Lernzonen schaffen Möglichkeiten, die bewusst genutzt werden können. Manchmal braucht es das gemeinsame Gespräch, manchmal Ruhe. Manchmal entsteht ein Gedanke erst im Austausch, manchmal gerade dann, wenn jemand für sich arbeitet. Beides hat seinen Platz.

Für uns liegt darin auch ein wichtiger pädagogischer Gedanke: Lernen wird nachhaltiger, wenn Menschen nicht nur Inhalte aufnehmen, sondern ihren Lernprozess aktiv mitgestalten. Wer selbst entscheidet, wie und wo gearbeitet wird, erlebt, dass das eigene Handeln einen Unterschied macht. Aus einer vorgegebenen Lernumgebung wird ein Raum, der mitgestaltet werden kann.

Diese Erfahrung von Selbstwirksamkeit ist gerade für junge Menschen bedeutsam. Sie lernen, Entscheidungen zu treffen, Bedürfnisse wahrzunehmen und Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen. Gleichzeitig erfahren sie, dass gemeinsames Lernen Aufmerksamkeit für andere verlangt: zuhören, Rücksicht nehmen, sich einbringen und unterschiedliche Arbeitsweisen respektieren.

Auch darin zeigt sich etwas von unserem Verständnis als katholische Schule. Jeder Mensch bringt eigene Voraussetzungen, Stärken und Wege des Lernens mit. Diese Verschiedenheit ernst zu nehmen bedeutet für uns, nicht alle in dieselbe Form zu drängen, sondern Räume zu schaffen, in denen Entwicklung auf unterschiedliche Weise möglich ist.

Offene Lernzonen sind deshalb mehr als zusätzliche Arbeitsflächen. Sie machen sichtbar, dass Lernen beweglich sein darf. Dass Menschen ihren Platz finden, ihn verändern und mit anderen teilen können. Und dass Bildung dort lebendig wird, wo Schülerinnen, Schüler und Studierende zunehmend selbst Verantwortung dafür übernehmen, wie sie lernen.

Selbstlernzentrum – Bibliothek

Eine Bibliothek ist mehr als ein Ort für Bücher. Sie ist ein Raum, in dem Gedanken zur Ruhe kommen, Fragen weitergeführt werden und Lernen eine andere Tiefe gewinnen kann. Genau diese Bedeutung hat die Bibliothek im „Haus des Lernens“ am EBK.

Schon ihre Gestaltung lädt dazu ein, den Schulalltag für einen Moment anders zu erleben. Licht, Weite und eine ruhige Atmosphäre schaffen Abstand zur Bewegung des Hauses. Wer hier ankommt, findet einen Ort, an dem Konzentration ebenso möglich ist wie ein kurzes Innehalten.

Die Einrichtung unterstützt unterschiedliche Formen des Arbeitens. Es gibt klassische Arbeitsplätze für konzentriertes Lernen, Regale mit vielfältigen Materialien und zugleich Sessel und kleinere Sitzbereiche, die eine offenere, ruhigere Nutzung ermöglichen. So entsteht ein Raum, der nicht nur funktional ist, sondern unterschiedliche Bedürfnisse aufnimmt.

Für Schülerinnen, Schüler und Studierende bietet die Bibliothek die Möglichkeit, Themen aus dem Unterricht zu vertiefen, Fragen weiterzuverfolgen und eigene Interessen zu entdecken. Nicht alles lässt sich im Unterricht vollständig erschließen. Manches braucht Zeit, Ruhe und den eigenen Zugang.

Gerade darin liegt ein wichtiger Teil selbstständigen Lernens. Wer Informationen sucht, auswählt, prüft und für die eigene Arbeit nutzt, übernimmt Verantwortung für den eigenen Lernprozess. Die Bibliothek schafft dafür die notwendige Umgebung und unterstützt zugleich Lehrkräfte bei der Vor- und Nachbereitung von Unterricht.

Lernen bedeutet dabei nicht nur, Antworten zu finden. Oft beginnt es mit einer Frage, die im Unterricht entstanden ist und weiterarbeitet. Die Bibliothek gibt solchen Fragen Raum. Sie lädt dazu ein, genauer hinzusehen, Zusammenhänge zu entdecken und sich mit einem Thema länger zu beschäftigen, als es der Stundenplan manchmal zulässt.

Auch darin zeigt sich etwas von unserem Bildungsverständnis. Menschen brauchen Freiräume, in denen sie eigenen Gedanken folgen können. Sie brauchen Orte, an denen Neugier ernst genommen wird und Lernen nicht ausschließlich durch Vorgaben bestimmt ist.

Als katholische Schule verbinden wir damit auch die Überzeugung, dass Bildung immer den ganzen Menschen betrifft. Wissen erweitert Möglichkeiten, aber auch die Fähigkeit, zu urteilen, Verantwortung zu übernehmen und den eigenen Standpunkt zu entwickeln. Eine Bibliothek kann dafür ein stiller, aber wichtiger Ort sein.

So wird die Bibliothek am EBK zu einem Raum zwischen Unterricht und eigenem Entdecken. Ein Ort zum Lesen, Recherchieren, Nachdenken und Verweilen – und damit ein Teil von Schule, an dem Lernen selbstständig weitergehen kann.

Raum des gemeinschaftlichen Lernens und Lebens

Soziales Lernen beginnt dort, wo Menschen sich aufeinander einlassen. Wo sie zuhören, unterschiedliche Perspektiven wahrnehmen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Gerade in der Ausbildung sozial- und heilpädagogischer Fachkräfte ist diese Form des Lernens ein wesentlicher Teil des schulischen Alltags.

Dabei geht es nicht nur um das Miteinander in einer Klasse. Soziales Lernen entsteht in vielen Situationen: im Gespräch mit anderen, in der Zusammenarbeit an Aufgaben, in der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sichtweisen und auch in der Beziehung zu sich selbst. Wer andere verstehen möchte, muss lernen, die eigene Haltung wahrzunehmen und immer wieder zu überprüfen.

Die Räume des EBK unterstützen diese Begegnungen auf unterschiedliche Weise. Im Klassenraum, in den offenen Lernzonen, in der Bibliothek, auf den Fluren, im Atrium, in der Cafeteria oder auf dem Schulhof entstehen immer wieder Situationen, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen, zusammenarbeiten oder Verantwortung füreinander übernehmen. Auch die benachbarte Kirche St. Johannes XXIII. eröffnet einen eigenen Raum für Begegnung, Ruhe und gemeinsames Nachdenken.

Besonders das Atrium zeigt, wie sehr Begegnung zum Leben am EBK gehört. Hier kreuzen sich Wege, Menschen kommen an, bleiben stehen, tauschen sich aus und gehen weiter. Solche alltäglichen Momente sind nicht nebensächlich. Sie prägen, wie Gemeinschaft erlebt wird.

Soziales Lernen bedeutet für uns deshalb auch, Schule als gemeinsamen Lebensraum zu verstehen. Schülerinnen, Schüler und Studierende sollen nicht nur an vorgegebenen Strukturen teilnehmen, sondern erfahren, dass ihre Perspektiven gefragt sind. Wo Aufgaben, Fragen oder Probleme gemeinsam besprochen werden, entsteht Beteiligung. Und Beteiligung bedeutet immer auch Verantwortung.

Das zeigt sich im Kleinen ebenso wie in größeren Prozessen. Wer sich in einer Gruppe einbringt, einen Konflikt anspricht, Rücksicht nimmt oder eine gemeinsame Entscheidung mitträgt, lernt etwas über das Zusammenleben mit anderen. Nicht jede Situation ist einfach. Gerade deshalb können solche Erfahrungen wichtig werden.

Als katholische Schule verbinden wir damit ein Menschenbild, das jedem Einzelnen unverwechselbare Würde zuspricht. Beziehungen leben deshalb von Achtung, Verlässlichkeit und dem Vertrauen darauf, dass Entwicklung möglich ist. Gemeinschaft bedeutet dabei nicht, Unterschiede aufzulösen, sondern sie wahrzunehmen und einen Umgang mit ihnen zu finden, der dem anderen gerecht wird.

Für die Ausbildung sozial- und heilpädagogischer Fachkräfte ist dieser Gedanke besonders bedeutsam. Professionelles Handeln entsteht nicht allein durch Fachwissen. Es braucht die Fähigkeit, Beziehungen zu gestalten, zuzuhören, zu kooperieren und Verantwortung in komplexen Situationen zu übernehmen.

Deshalb verstehen wir Ausbildung am EBK als Lernen im Dialog. Schule und Praxis gehören dabei zusammen. Lehrkräfte, Praxisstellen, Schülerinnen, Schüler und Studierende tragen Verantwortung für einen gemeinsamen Lernprozess und bringen unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen ein.

Soziales Lernen wird damit zu etwas, das nicht nur im Unterricht thematisiert wird. Es geschieht jeden Tag – in Beziehungen, in Begegnungen und überall dort, wo Menschen gemeinsam lernen, arbeiten und Schule gestalten.